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DE-CIX (Deutscher Commercial Internet Exchange)

Zentrales Peering nimmt Last von der Leitung und sorgt für den schnellen Datentransport ohne Umweg über transatlantische Leitungen.

Heute werden circa 85 Prozent des deutschen - und damit 35 Prozent des europäischen - Internet-Datenverkehrs über das zentrale "Datendrehkreuz" in Frankfurt geschleust.

DE-CIX dient als deutscher Internet-Austauschpunkt dem direkten Austausch von Datenpaketen angeschlossener Internet Service Provider (ISP). Die Hintergründe dieses als Peering bezeichneten Prozesses lassen sich besser verstehen, wenn man sich noch einmal die Eigenarten des Internet vergegenwärtigt.

Bekanntlich stellt das Internet kein homogenes, wohl strukturiertes Gebilde dar, sondern besteht aus einer Vielfalt, über Gateways miteinander verknüpfter Netzwerke. Im Gegensatz zu einem traditionellen Telefonnetz baut das Internet auch keine feste Verbindung zwischen Empfänger und Sender auf. Vielmehr konzentrierten sich die Architekten des Internets und des heutigen Basis-Protokolls TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol) auf den Aspekt Ausfallsicherheit. Zu diesem Zweck wird die zu versendende Information in mehrere kleine Häppchen (Pakete) zerlegt und im versendet. Jedes Datenpaket enthält hierbei alle notwendigen Informationen, die zur eindeutigen Identifizierung und Zuordnung benötigt. Welchen Weg ein Paket genommen hat und wann es am Ziel angekommen ist, ist vor diesem Hintergrund von nachrangiger Bedeutung. Router-Systeme sorgen für die Weiter- leitung an die Zieladresse und das Übertragungsverfahren dauert um so länger, je mehr Router passiert werden.

Bis zur Initiierung des DE-CIX im Jahr 1995 wurde der gesamte innerdeutsche Datenverkehr über die USA geroutet, weil die deutschen Provider keine Datenaustausch- oder Peering- Punkte, also keine direkten Verbindungen miteinander unterhielten. Da es zu diesem Zeitpunkt nur zwei Backbones zum amerikanischen Internet gab (die Vorläufer des heutigen UUNET und Xlink an den Unis in Dortmund beziehungsweise Karlsruhe), stellten sich zwangsläufig mit der stark wachsenden Akzeptanz des Internet immer größere Kapazitätsprobleme ein.

Der Zeitbedarf für den Datentransport stellt(e) die Geduld der Anwender wiederholt auf eine harte Probe. Aber - dies sei auch bemerkt - das war und ist keineswegs nur ein auf Deutschland beschränktes Phänomen, sondern betrifft in der einen oder anderen Weise sämtliche Betreiber von Internetzugängen.

Um dem entgegenzuwirken, riefen deshalb weltweit kommerzielle Internet-Service-Anbieter zentrale Datenaustauschpunkte ins Leben, an denen der nationale oder regionale Datenverkehr von einem Provider-Netz zum andern übergeben wird. Als Betreibergesellschaften arbeiten dabei in der Regel gemeinsam betriebene, nicht gewinnorientierte Organisationen. Zu den prominentesten Vertretern solcher Datenaustauschpunkte zählen heute MAE-East, MAE-West, der in London angesiedelte Linx sowie - selbstverständlich - DE-CIX in Frankfurt.

Die Vorteile dieser zentralen Peering-Punkte liegen auf der Hand. Sie optimieren auf nationaler Ebene die kommerzielle Kommunikation im Internet. Datenpakete zwischen Teilnehmern in Deutschland werden beispielsweise unter Einbezug des DE-CIX nicht mehr zeitaufwendig (und kostspielig) via internationaler Leitungen um den Globus geschleust, sondern auf kurzem Wege transportiert. Das Prinzip ähnelt einer traditionellen Briefpost, deren Briefkästen über einen Einwurf für innerstädtische und für nationale Sendungen verfügen. Zu Recht kann der Postkunde in solchen Szenarien erwarten, im innerstädtischen Briefdienst einen Brief schneller zu erhalten als aus den großen Sortieranlagen.

Aber nicht nur die Internet-Nutzer, sondern auch die ISPs profitieren von zentralen Peering-Punkten. Denn diese machen die ansonsten notwendigen bilateralen Verträge zwischen den diversen Providern obsolet, die im übrigen zusätzlich durch die jeweils notwendigen Kommunikationsgerätschaften erheblich kostspieliger würden.

Technisch gesehen stellt ein zentraler Peering-Knoten im Prinzip nichts anderes als ein LAN für ISPs dar. Im Falle des DE-CIX wird im TK/INT-Zentrum ein High-end-LAN - ein switched Ethernet mit Geschwindigkeiten von 10Mbps, 100Mbps und Gbps - realisiert. An dieses LAN ist das Telekommunikationsequipment der DE-CIX-Teilnehmer (ISPs) angeschlossen. Darüber hinaus wird ein Routeserver betrieben. Dieser tauscht über BGP (Border Gateway Protocol) Routinginformationen zwischen den unterschiedlichen Domänen der angeschlossenen Teilnehmern aus. Die während einer Peering- Session zwischen Routeserver und ISP ausgetauschten Daten enthalten alle Informationen über den Pfad, den ein Datenpaket durchqueren muss, um das Zielnetzwerk zu erreichen. Dabei propagiert ein BPG-Router seinen Kommunikationspartnern nur solche Routen, die auch genutzt werden dürfen. Eine Beachtung der Routingpolicies der ISPs ist folglich möglich.

Als zentraler Router dient in Frankfurt ein Multilayer-Switch der Serie Catalyst 6500 von Cisco Systems, der mit Hilfe der Software CiscoIOS leistungsfähige Dienste (QoS - Quality Of Services, Mehrwertdienste etc.) bereitstellt und über große Skalierungseigenschaften verfügt. Bei der Installation der neuen Kommunikationsinfrastruktur wurde Wert auf hohe Ausfallsicherheit gelegt.

Zusätzlich wurde von Colt während der Migrationsphase eine ausfallsichere WAN-Bridge zwischen dem alten und dem neuen Standort konzipiert und betrieben. Diese Verbindung wird auch weiterhin bestehen bleiben, um einen zweiten Standort als Backup-Rechenzentrum in der Hinterhand zu haben.

Das Equipment selbst am neuen Standort ist in eigenen, mit Sicherheitsschlössern gesicherten 19''-Racks aufgestellt. Das Racklayout ordnet jedem ISP fünf Slots (5 x 2'') zu, die seinem Equipment exklusiv zur Verfügung stehen. Innerhalb dieses reservierten Slots stehen dem ISP zwei Stromanschlüsse und ein Ethernetanschluß (RJ45 UTP mit Führung auf ein zentrales switch panel) zur Verfügung. Die Stromanschlüsse für jeden ISP laufen über einen exklusiven, einzeln abgesicherten Stromkreis. Die Verkabelung ist auf ein zentrales Switch-Panel geführt, um die Umverkabelung ohne Eingriffe in die Racks zu ermöglichen.

Ein gemeinsam betriebener und finanzierter Peering-Punkt wie DE-CIX stellt deshalb einen tragfähigen Kompromiss für die divergierenden Interessenlagen dar. Und die Grundforderungen an die Teilnehmer - vor Anschluß an den DE-CIX- Dienst müssen sie mindestens von zwei DE-CIX- Teilnehmern über eine eigene DE-CIX unabhängige Infrastruktur erreichbar sein und eine unabhängige internationale Anbindung, die nicht über den IP-Routing-Service eines angeschlossenen Teilnehmers erfolgt, muss nachgewiesen werden - sorgt für eine solide Basis. Und diese Basis wird immer größer: Denn in Kürze darf man den DFN, zu dessen Breitband-Wissenschaftsnetz (B-WiN) schon längere Zeit Verbindungen bestanden, als neuen Teilnehmer am DE-CIX begrüßen. Einzig die Deutsche Telekom AG scheint noch Gefallen an einer Sonderrolle unter den hiesigen Providern zu finden und steht unverständlicher- weise nach wie vor einer Teilnahme ablehnend gegenüber.

Momentan am DE-CIX angeschlossen:
AboveNet Deutschland GmbH, Frankfurt
Cable & Wireless ECRC GmbH, München
callisto germany.net GmbH, Frankfurt
Carrier 1 GmbH, Frankfurt
COLT TELECOM GmbH, Frankfurt
Cybernet Internet-Dienstleistungen AG, München
Easynet GmbH, Erlangen
Ecore Kommunikations AG, Bamberg
EDS Industrien (Deutschland) GmbH, Rüsselsheim
EuroNet Internet BV, Amsterdam (NL)
Evolution Systems GmbH, Ampfing
EWE TEL GmbH, Oldenburg
Exodus Communications Inc., Santa Clara, US
Fiducia AG, Kassel
Gigabell AG, Frankfurt
Global Access Telecommunication, Inc., Frankfurt
Globix Ltd., London
GTN - Gesellschaft für Telekommunikation und Netzwerkdienste mbH, Duisburg
GX Networks Ltd., London
iaxis GmbH, Frankfurt
IBM Deutschland, Sindelfingen
Interactive Networx GmbH, Berlin
Internet Network Services Ltd, London (GB)
ISION Internet AG, Hamburg
ISDNET, Velizy (F)
Level (3) Communications GmbH, Frankfurt
Mannesmann Arcor AG & Co., Eschborn
mbt Online GmbH & Co. KG, München
MediaWays GmbH, Gütersloh
NACAMAR Data Communications GmbH, Dreieich
NDH IT-Service AG, Köln
Nextra AS, Oslo
Nikoma Media Works GmbH, Hamburg
Nildram Limited, Buckinghamshire (GB)
Plus.Line Systemhaus GmbH, Frankfurt
POP Point of Presence GmbH, Hamburg
profi.net AG, Augsburg
PSINet Germany GmbH, Ismaning
regio.[NET] GmbH, Fulda
Seicom Computer GmbH, Pfullingen
Sonera Deutschland GmbH, Düsseldorf
Sontheimer Datentechnik GmbH, Aalen
Spacenet GmbH, München
sunrise communications AG, Rümlang (CH)
Talkline GmbH, Elmshorn
TCP/IP GmbH, Berlin
Teleglobe GmbH, Frankfurt
TelePassport Service AG, Erfurt
TESION - CNS Communicationsnetze Süd-West GmbH & Co. KG, Stuttgart
Topnet AG, Düsseldorf
Transmedia Netzwerktechnik GmbH, Berlin
Twinwave, Frankfurt
UUNET Deutschland GmbH, Dortmund
VIAG INTERKOM GmbH & Co., München
Wirehub! Internet BV, Rotterdam (NL)
Worldcom Advanced Networkservice GmbH, Unterhaching
Xlink GmbH, Karlsruhe

Stand: April 2000


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